Der REICHHART LogTalk

Antworten auf Fragen, die die Branche bewegen:
Unsere Experten beantworten regelmäßig im Interview Fragen rund um aktuelle Logistikthemen
und geben Tipps und Tricks zum richtigen Umgang mit logistischen Herausforderungen.

Im Interview

Timo Kirchner
Projektmanager Planung und Dienstleistungsentwicklung Transportlogistik

Die letzte Meile ist in der Logistik ein entscheidender Faktor in der Lieferkette. Hier kommen die Waren in den Handel oder direkt zum Endverbraucher. Oftmals als Selbstverständlichkeit abgetan, verbirgt sich dahinter ein logistischer Kraftakt. Im Interview Timo Kirchner, Projektmanager Planung und Dienstleistungsentwicklung Transportlogistik bei REICHHART Logistik.

Welche Entwicklungen hat die Distributionslogistik in den letzten Jahren geprägt und wie reagieren Sie als Logistiker darauf?

Vor allem die Entwicklung des Online-Handels nimmt, nicht nur bedingt durch die weltweite Corona-Pandemie, einen zentralen Stellenwert in der Distributionslogistik ein. Laut einer aktuellen Statistik* belief sich der Umsatz im B2C-E-Commerce in Deutschland 2019 auf 59,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum von 279% in den letzten 10 Jahren. Für Logistiker wie uns ergibt sich daraus eine logische Konsequenz. Effiziente und intelligente Logistiklösungen sind gefragt und müssen an die aktuellen Anforderungen des Marktes angepasst werden. Es findet gerade ein Paradigmenwechsel in der Distributionslogistik statt, der maßgeblich von den Marktveränderungen getrieben ist: die Ausgestaltung der Supply Chain entwickelt sich von just-in-time Lösungen hin zu einem on demand-orientieren Ansatz. In beiden Fällen geht es zwar um die bedarfsgerechte Lieferung und Bereitstellung der Waren, allerdings wird sie unterschiedlich initiiert. Die Warenlagerung ist hier ein Schlüsselfaktor.

*Statisa,2020: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/3979/umfrage/e-commerce-umsatz-in-deutschland-seit-1999/

 

Warum ist es heute wichtiger denn je, die letzte Meile optimal zu gestalten?

Als Logistikdienstleister agieren wir immer im Sinne des Kunden und zeigen individuelle Optimierungsmöglichkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf. Wie bereits gesagt, ändern sich die Anforderungen im Laufe der Zeit und darauf muss flexibel reagiert werden. Was hingegen gleichbleibend von Bedeutung ist, die Kosten zu reduzieren und Vorteile gegenüber dem Wettbewerb zu schaffen. Das gelingt durch eine effiziente und nachhaltige Distribution. Als Logistiker sind wir das Bindeglied zwischen Produktion und Markt. Unsere Kernaufgabe ist die Planung und Steuerung, der dafür notwendigen Prozesse und Abläufe. Das erfordert vor allem Lösungsorientierung und wirtschaftliches Denken und Handeln. Es gibt viele Möglichkeiten die letzte Meile zu gestalten – die Kunst ist es, den jeweils richtigen Weg zu finden. Wir nutzen beispielsweise Synergien, um Fahrtstrecken mit mehreren Sendungen unterschiedlicher Kunden auszulasten oder finden Lösungsansätze bei vorhandenen infrastrukturellen Defiziten. Zum Beispiel indem wir mehrere Standorte unseres Auftraggebers durchleuchten, um Schwachstellen aufzuzeigen und logistische Prozesse entsprechend zu optimieren. Auf diese Weise lassen sich z. B. Warenbestände und Auslieferungen aufeinander abstimmen und generieren zudem eine Win-win-Situation für den Kunden. Der Blick auf aktuelle rechtliche Rahmenbedingungen und gesetzliche Vorschriften gehört natürlich auch dazu. Eine ganzheitliche Perspektive trägt dazu bei, die „letzte Meile“ für alle Beteiligten wirtschaftlich darzustellen.

 

Bezieht sich die Distributionslogistik nur auf das Transportgeschäft?

Ganz klar, nein. In der Distributionslogistik gehen Transportlogistik, Kontraktlogistik und digitale Logistik Hand in Hand. Insbesondere Kosteneinsparungen erfordern oftmals Optimierungen entlang der gesamten Supply Chain. Zum Beispiel indem bei der Standortbestimmung des Lagers die letzte Meile mit einbezogen wird, um somit eine effektive Belieferung abzubilden. Ebenfalls entscheidend ist die exakte Planung der ineinandergreifenden Prozesse beispielsweise unter Berücksichtigung verkürzter Lieferzeiten. Hierbei ist der Datentransfer zwischen Kontrakt- und Distributionslogistik ein essenzieller Punkt. Nur so lässt sich gewährleisten, dass die Standortbestimmung der Sendungen, auch für den Endkunden, mittels Scan sichergestellt ist.

 

Die letzte Meile stellt für viele Unternehmen eine Herausforderung dar. Welchen Einfluss hat die Digitalisierung aktuell in diesem Bereich?

Die Digitalisierung ist längst in der Logistik angekommen. In den letzten Jahren ist vor allem die Nachverfolgbarkeit der Waren immer wichtiger geworden. Auftraggeber wollen Real Time Tracking. Jeder Kunde ob im Bereich B2B oder B2C will jederzeit wissen, wo sich seine Sendung befindet. Im besten Falle in Echtzeit. Cloud- und Tracking-Lösungen mittels IoT-Anbindung sind daher gefragt, weil sie die Warenströme genauer und transparenter wiedergeben als die bisher verwendeten QR-Codes und RFID-Tags. In Bezug auf die Tourenplanung sind Routenoptimierungslösungen in Echtzeit auf Basis von künstlicher Intelligenz ein Indiz, dass die digitalen Technologien in allen Bereichen zum Einsatz kommen. Mit Track and Trace Systemen lässt sich die Qualität des Logistikservice in punkto Lieferzuverlässigkeit, Lieferflexibilität, Lieferzeit und Lieferbeschaffenheit verbessern und generiert spürbare Mehrwerte.

 

Zum Abschluss: Was bedeutet Nachhaltigkeit in der Distributionslogistik für Sie?

Das Thema Nachhaltigkeit spiegelt sich für mich in unterschiedlichen Situationen wieder. Zum Beispiel in unserer Beratungskompetenz als Logistikdienstleister, bei der wir unterschiedliche Wege für effizientere Belieferungsstrukturen aufzeigen und diese langfristig planen. Denn meist führen schnelle Lösungen ohne strategische Ausrichtung zu keinen guten Ergebnissen, sind nicht nachhaltig und zudem kostenintensiver. Des Weiteren legen wir großen Wert auf eine sozial nachhaltige Personalarbeit. Das bedeutet zum Beispiel unsere Fahrermannschaft leistungsgerecht zu bezahlen und die Arbeitsbedingungen sozialverträglich zu gestalten. Ein weiterer Aspekt in puncto Nachhaltigkeit stellt ein zukunftsorientiertes Handeln dar. Es ist wichtig, immer wieder den eigenen Status quo zu hinterfragen und neue Trends und Entwicklungen zu prüfen wie beispielsweise alternative Antriebsmöglichkeiten im Transportbereich wie Elektromobilität und die voranschreitende Entwicklung in der Wasserstofftechnologie. Schließlich wollen wir weiterhin die Logistik der Zukunft gestalten.

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